Der Europäische Referenzrahmen

Informationen zum anerkannten Referenzrahmen im Bildungsbereich

Niveau messbar machen

Ein Referenzrahmen, so wie der „Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen“ dient der Beurteilung von Fortschritten im Lernerfolg bezüglich einer beliebigen Fremdsprache. Dadurch, dass es für viele Sprachen eine ganze Reihe von verschiedenen Zertifikaten gibt, braucht es ein Messinstrument, welches es ermöglicht, diese zu vergleichen und in einer gewissen Rangfolge zu ordnen. Besucht man beispielsweise eine Sprachschule, um Englisch als Fremdsprache derart zu vertiefen, dass anschließend ein Sprachzertifikat absolviert werden kann, gibt es für dieses Vorhaben mehrere Möglichkeiten. IELTS und TOEFL sind in dieser Fremdsprache die wohl bekanntesten. Personen, die eine gewisse Entscheidungsbefugnis haben, aber nicht zwingend alle Sprachzertifikate einzuordnen wissen, soll dieser gemeinsame Referenzrahmen helfen, sich schneller zurechtzufinden und fundierte Entscheidungen treffen zu können. So können sich beispielsweise Personaler schon anhand der Niveaustufe im Lebenslauf einen Eindruck machen, wie fundiert der Bewerber die jeweilige Fremdsprache beherrscht, auch, wenn er das dabei herangezogene Zertifikat nicht kennt.

 

Die Niveaustufen des GER

Der GER, der „Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen“ unterteilt sich in drei grundlegende Level: Von A, welches die „elementare Sprachverwendung“ symbolisiert, über B, welches durch eine „selbstständige Sprachverwendung“ gekennzeichnet ist bis zu C, dass eine „kompetente Sprachverwendung“ beschreibt. Diese drei Level sind nochmals in jeweils zwei Unterstufen unterteilt. So gibt es insgesamt sechs verschiedene Sprachniveaus, zwischen denen unterschieden wird. A1 bildet dabei die Gruppe der „Anfänger“ ab. Diese zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass die Sprechenden „vertraute, alltäglicheAusdrücke“ verwenden können und „ganz einfache Sätze verstehen und verwenden“. Auf spezifische Bedürfnisse kann so hingewiesen werden. Die Gruppe A2 der Sprachanwender unterscheiden sich insofern, dass sie schon „Sätze und häufig gebrauchte Ausdrücke verstehen“ und in manchen Bereichen, wie der Herkunft, Wohnort und ähnlich Alltäglichem, Auskunft geben können. B1-Niveau bedeutet, dass in sauber gesprochener Standardsprache die Hauptpunkte von vertrauten Themen verstanden werden können. Genauso können sich B1-Sprechende über eben diese Themen unterhalten. B2-Sprachniveau bedeutet indes, dass die Sprechenden sich vollkommen selbstständig in der Fremdsprache verständigen können. Die Sprechenden können „die Hauptinhalte komplexer Texte zu konkreten und abstrakten Themen verstehen“ und versteht darüber hinaus „im eigenen Spezialgebiet auch Fachdiskussionen“. Sprachverständige der Gruppe C1 können sich fachkundig ausdrücken und ein breit angelegtes Spektrum an längeren und anspruchsvollen Texten verstehen. Die spontane, flexible und fließende Ausdrucksweise zeichnet diese Sprachgruppe sowohl in Beruf als auch Praxis aus.Die letzte Gruppe, die der C2-Sprachanwender, besitzt Sprachkenntnisse, welche annähernd mit denen von Muttersprachlern zu vergleichen sind. Somit kann der C2-Anwender „praktisch alles, was er/sie liest oder hört, mühelos verstehen“.

Diese Niveaustufen helfen, die vielen verschiedenen Sprachzertifikate für Englisch (z.B. Cambridge Certificate, GMAT, IELTS, TOEFL, etc.), Französisch (z.B. DELF, DALF, TELC), Spanisch (z.B. DELE, TELC) oder Deutsch (z.B. Deutsches Sprachdiplom, TELC) vergleichbar zu gestalten und international zu vereinheitlichen.

 

Kriterien für die Sprachanwendung

Im „Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen“ finden gleich mehrere Faktoren Einzug, um die Sprachanwendung mit all ihren Facetten bewerten zu können. Genauso vielfältig wie eine Sprache ist, so vielfältig muss auch der Anwender in deren Gebrauch beurteilt werden. Der GER legt demzufolge folgende Kriterien fest: Spektrum, Korrektheit, Flüssigkeit, Interaktion und Kohärenz. Erst die Beherrschung aller dieser Eigenschaften im Gebrauch einer Sprache erlaubt ein Niveau im Bereich C2. Während ein C2-Anwender viel Flexibilität und eine mehrdeutige Anwendung beherrscht, besitzt ein A1-Anwender ein nur sehr begrenztes Wortfeld und wenige Themen. Während der C1-Anwender auch bei komplexesten Themen die Grammatik mühelos verwendet, kann der A1-Anwender mit nur einigen wenigen grammatikalischen Strukturen hantieren. C2-Anwender können den Sprachfluss in der Fremdsprache so gut adaptieren, dass der Muttersprachler gegenüber kaum bemerkt, dass der andere kein Muttersprachler ist. A1-Sprachler verwenden zumeist isolierte, vorgefertigte Satzstrukturen. Diese Unterschiede können in allen Bewertungskriterien ausgemacht werden.

 

Was nützt mir das?

Der Verwender der Sprache, vor allem der Besitzer eines Sprachzertifikates kann sich weltweit anhand der Referenzrahmen profilieren und von anderen identifiziert werden, auch, wenn diese das Sprachzertifikat nicht kennen. In einer globalisierten und digitalisierten Welt, in der mehr Menschen über den Planeten „wandern“ als jemals zuvor, kann diese einheitliche Spracheinordnung sehr wertvoll sein, da sie erlaubt, je nach Sprachniveau in der jeweiligen Fremdsprache, Posten und Aufgaben gezielt und niveaugerecht zu verteilen. Ein Referenzrahmen trägt letztendlich der vernetzten und zusammenarbeitenden Welt Rechnung.